Im stillgelegten Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht beginnt eine neue Phase: Auf dem Gelände dürfen ab sofort schwach- und mittelradioaktive Abfälle gelagert werden. Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) soll die offizielle Genehmigung am 2. Oktober 2026 symbolisch am Kraftwerk überreichen.
Damit sind nach Angaben des NDR alle erforderlichen Genehmigungen für den Atomausstieg und den Rückbau des Kernkraftwerks erteilt. Die Stilllegungs- und Abbaugenehmigung war bereits 2024 erteilt worden. Für die Menschen in Geesthacht bedeutet das: Das Kraftwerk produziert keinen Strom mehr, bleibt aber über Jahre ein Standort für Rückbauarbeiten und die Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle.
Welche Abfälle in Krümmel bleiben
In Krümmel sollen die radioaktiven Abfälle eingelagert werden, die beim Abbau des örtlichen Kernkraftwerks anfallen und keine Wärme entwickeln. Sie bleiben dort, bis das Endlager „Schacht Konrad“ in Betrieb geht und die Abfälle dorthin transportiert werden können. Wie lange dieser Zwischenschritt dauert, hängt damit auch vom weiteren Verlauf bei der Inbetriebnahme des Endlagers ab.
Beim Rückbau fallen insgesamt rund 540.000 Tonnen Material an. Nach Angaben des Berichts müssen davon lediglich ein bis drei Prozent als radioaktiver Abfall gelagert werden. Der überwiegende Teil ist Bauschutt und damit nicht radioaktiv.
Rückbau läuft bereits
Das AKW Krümmel war 2009 nach mehreren Pannen vom Netz gegangen und 2011 endgültig stillgelegt worden. Die Abbauarbeiten laufen bereits seit eineinhalb Jahren. Derzeit wird nach Angaben des NDR der Turbinenläufer zerlegt. Dieses Bauteil wandelte früher die Energie des heißen Wasserdampfes in mechanische Drehbewegung um.
Der Rückbau und die Einlagerung sollen nach den höchsten Sicherheitsmaßstäben durchgeführt werden. Das Umweltministerium will den Prozess nach eigenen Angaben eng begleiten und überwachen. Dafür sollen unabhängige Sachverständige hinzugezogen werden. Der Abbau in Krümmel soll 2037 abgeschlossen sein. Die Betreibergesellschaft nennt als Ziel eine „grüne Wiese“.
BUND kündigt Kontrollen an
Der Umweltverband BUND begleitet das Verfahren kritisch. Nach Einschätzung des Verbands bleibt die gesundheitliche Gefährdung auch nach der Abschaltung des Kraftwerks bestehen. Landesgeschäftsführer Ole Eggers kündigte deshalb weitere Kontrollen an:
„Wir werden immer wieder auch die Abwässer auf Radioaktivität kontrollieren“
Der Streit über die langfristige Verantwortung reicht über Geesthacht hinaus. Gemeinden in Schleswig-Holstein fordern, dass der Bund künftig für die Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle aufkommt. Als Beispiel wird auch Geesthacht genannt. Zugleich fordern betroffene Gemeinden eine schnellere Suche nach einem Endlager. Radioaktiver Abfall aus deutschen Atomkraftwerken liegt derzeit in 16 Zwischenlagern; die Endlagersuche kann nach dem Bericht noch Jahrzehnte dauern.