Zum Beginn des neuen Schuljahres haben die Bertha-von-Suttner-Schule (BvS) und das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in Geesthacht zusätzliche Räume erhalten. Die Stadt hat an beiden Standorten Raummodulanlagen errichtet und investiert dafür insgesamt rund 9,9 Millionen Euro. Auf dem BvS-Campus geht es vor allem darum, nach dem Brandschaden wieder möglichst vielen Schülerinnen und Schülern Unterricht an einem zentralen Ort zu ermöglichen. Am OHG werden dagegen dringend benötigte Kapazitäten für wachsende Jahrgänge geschaffen.
„Wir schaffen hier nicht einfach nur zusätzliche Räume, sondern konkrete Lösungen für zwei sehr unterschiedliche Herausforderungen“, sagt Bürgermeister Olaf Schulze. Für die beiden Projekte veranschlagt die Stadt rund 5,5 Millionen Euro am BvS-Campus und rund 4,4 Millionen Euro am OHG-Campus. Beim BvS kommen Mietkosten für die Standzeit der Anlage hinzu.
BvS-Campus ersetzt Räume nach Brandschaden
Auf dem Schulgelände am Dösselbuschberg sind 308 Raummodule mit einer Größe von jeweils 3 mal 6 Metern zu drei zweigeschossigen Gebäuden verbunden worden. Die Gebäude bilden gemeinsam einen Schulhof. Auf rund 5.300 Quadratmetern Bruttogrundfläche gibt es 30 Klassenräume, neun zusätzliche Fachklassenräume und fünf Vorbereitungsräume für Biologie, Chemie, Physik, Informatik, Technik und Kunst.
Die Anlage wurde notwendig, nachdem ein Brandschaden im Herbst 2025 den Altbau der BvS weitreichend kontaminiert hatte. Für die Sanierung des Bestandsgebäudes oder einen Neubau wird derzeit mit einer Dauer von voraussichtlich rund vier Jahren gerechnet. Bis zur Fertigstellung der Modulgebäude mussten Schülerinnen und Schüler teilweise im Wechselunterricht sowie an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet unterrichtet oder betreut werden.
Nun stehen auf dem Schulgelände Räume für rund 700 Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Ergänzt wird das Angebot durch Räume für pädagogische Konzepte und Schulsozialarbeit, einen Raum für Frühbetreuung und Ganztag, zwei Lernlandschaften für Differenzierungsunterricht sowie ein Hausmeisterbüro. Auch ein Kiosk für vorkonfektionierte Speisen und Getränke gehört zum Campus.
Die naturwissenschaftlichen Räume stellten besondere Anforderungen an die Haustechnik. Dazu zählt ein Chemie-Vorbereitungsraum mit zu entlüftenden Chemikalienschränken. Jedes Gebäude verfügt über eigene Sanitär- und Putzmittelräume. Drei Treppenhäuser je Gebäude dienen zugleich als bauliche erste und zweite Rettungswege.
Die Stadt begann Mitte November 2025 mit der Variantenplanung. Am 18. Dezember 2025 entschied sich die Politik für den Standort auf dem Schulgelände. Die Grundstücksvorbereitung startete im Februar 2026, die Erschließung im März. Ab Mai wurden die Module geliefert und montiert. Der Innenausbau lief bis zum Ende der Sommerferien, sodass die Anlage innerhalb von rund sechs Monaten realisiert werden konnte.
Die BvS-Investition umfasst rund 5,5 Millionen Euro brutto. Etwa 2,5 Millionen Euro entfallen auf Grundstücksvorbereitung, Gründung und Hausanschlüsse, rund drei Millionen Euro auf Lieferung, Montage und Ausbau. Mobiliar und Ausstattung sind darin nicht enthalten. Restarbeiten an den Außenanlagen und den Lüftungsinstallationen sollen bis Ende August abgeschlossen werden.
OHG erhält Räume für bis zu 360 Schülerinnen und Schüler
Am Otto-Hahn-Gymnasium entstand auf der straßenseitigen Hälfte des innerhalb der 400-Meter-Laufbahn gelegenen Sportplatzes eine eingeschossige, U-förmige Anlage. Die 102 Module gruppieren sich um einen gepflasterten Innenhof. Auf rund 1.830 Quadratmetern Bruttogrundfläche stehen künftig neun Klassenräume und drei Fachklassenräume für Kunst mit Nebenflächen und Lagern bereit.
Das Gebäude umfasst außerdem ein Foyer, ein Lehrerzimmer, ein Hausmeisterbüro, einen Putzmittelraum und Sanitäranlagen. Die Räume bieten Platz für bis zu 360 Schülerinnen und Schüler sowie bis zu zwölf Lehrkräfte. Alle Klassenräume haben einen direkten Ausgang ins Freie.
Hintergrund sind die schnell steigenden Schülerzahlen und die Umstellung von G8 auf G9. „Für das Otto-Hahn-Gymnasium ist die neue Anlage ein wichtiger Baustein in der weiteren Schulentwicklung“, sagt Schulleiterin Kirsa Siegemund.
Die OHG-Anlage ist als Kaufanlage ausgeführt und damit Eigentum der Stadt. Bei einer angenommenen Standzeit von rund zehn Jahren sei der Kauf gegenüber einer Anmietung wirtschaftlicher, heißt es. Die Baukosten betragen rund 4,4 Millionen Euro brutto; Mietkosten fallen nicht an.
Modulbau soll auch später weiterhelfen
Der OHG-Campus ist Teil einer längerfristigen Bauplanung. Seit Anfang 2026 wird der Erweiterungsneubau des Gymnasiums geplant. Voraussichtlich ab Sommer 2027 sollen zunächst die Kunstfachklassen und die „Alte Turnhalle“ zurückgebaut werden. Vorgesehen sind anschließend zwölf Klassenräume, drei Kunstklassenräume und eine Mehrzweckhalle. Die Bauphase ist derzeit für Frühjahr 2028 bis Herbst oder Winter 2029/30 vorgesehen. Danach soll das Hauptgebäude umfassend saniert werden.
Während dieser späteren Arbeiten kann die Modulanlage als Ersatz für nicht nutzbare Klassenräume dienen. Noch fehlen im Außenbereich die Bügel für 74 Fahrradstellplätze. Diese Arbeiten sollen voraussichtlich bis zum 21. August abgeschlossen sein. Danach wird die 400-Meter-Laufbahn überarbeitet und wiederhergestellt.
Ein wesentlicher Teil der Planung und Projektsteuerung wurde bei beiden Vorhaben vom Fachdienst Hochbau der Stadt übernommen. „Die beiden Projekte haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir im eigenen Haus über entsprechende Fachkompetenz verfügen“, sagt Bürgermeister Schulze. Nach Angaben der Stadt war die enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Schulen und externen Fachplanern entscheidend, damit die Räume rechtzeitig zum Schuljahresbeginn bereitstanden.